Immer besser texten

Was macht Vorträge spannend? (4): Fang mit dem Schluss an

Ich skripte grundsätzlich rückwärts: Den Schluss zuerst, dann den Hauptteil, dann den Anfang. Wenn der Schluss erst mal sitzt, kommt der Rest fast von selbst. Warum?

1)    Der Schluss zwingt mich zur Klarheit. Was will ich mit dem Vortrag überhaupt? Soll das Publikum danach etwas tun? Soll es sich bestätigt fühlen? Soll es neues Wissen anwenden? Wohin also will ich mein Publikum führen? Die letzten 5–15 Sätze packen den Vortrag ein, fassen die wichtigsten Argumente und Informationen zusammen, sie sagen dem Publikum, was es buchstäblich „damit anfangen“ soll.

2)    Der Schluss ist der wichtigste Teil des Vortrags: Hier entscheidet sich, was mein Publikum mitnimmt und mit welcher Wucht sich meine Thesen, Argumente oder Appelle einprägen. Daher überlasse ich gerade beim Schluss nichts dem Zufall: Soll er einprägsame Bilder liefern? Soll er provozieren? Soll er die Leute fröhlich stimmen? Darüber nachzudenken lohnt am allermeisten.

3)    Ist der Schluss im Kasten, fällt das Aussieben leichter: Was führt direkt zum Vortragsziel, was kann raus? Dies verkürzt meine Recherche, und der Hauptteil mit meinen Argumenten und Beispielen bekommt im Nu eine solide Struktur.

4)    Den passenden Anfang zu finden fällt mir ebenfalls leichter. Oft passt etwas, das ich am Schluss noch mal aufgreife: Ist-Zustand am Anfang, Vision am Schluss. Steile These am Anfang, Stützpfeiler dazu am Schluss. Dringende Frage am Anfang, beste Antwort darauf am Schluss. So schließt sich der Kreis und die Zuhörer erleben einen runden Vortrag.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, einen Vortrag zu beenden. Auf meinem Seminar lernen wir die wichtigsten Strategien. Sie inspirieren zur eigenen Lösung. Denn beim Schluss gilt: Je weniger er den 08/15-Schlüssen ähnelt, desto besser.