Immer besser texten

Was macht Vorträge spannend? (5): Pack den richtigen Koffer

Nichts ist unprofessioneller, als die gewährte Redezeit zu überziehen. Und nichts ist unverzeihlicher, denn Nachredner geraten unter Druck, Diskussionen zu kurz und Veranstaltungen durcheinander. So mache ich mir als Redner alle Liebesmüh zunichte, denn der Groll über die geraubte Zeit verstopft Herz und Ohren.

Niemand will einen Überseekoffer in der Kabine eines Flugzeugs, und was als Bordgepäck gilt, ist genau bemessen. So auch meine Redezeit auf Veranstaltungen.

Wenn ich meinen Vortrag skripte, gerate ich weder in Versuchung noch in Gefahr, denn: Was ins Zeitfenster passt, lässt sich genau berechnen:

  • 120 Worte pro Minute – so viel können wir rüberbringen. Dabei sind schon berücksichtigt: Sprechpausen, zehn Prozent Puffer und eine etwas langsamere Sprechgeschwindigkeit, wie vor größerem Publikum ratsam.
  • Diese Wortmenge passt prima in 14-Punkt-Schrift auf eine A5-Seite. Die ist wiederum das ideale Format, wenn ich den Vortrag ablesen, aber nicht hinter großen Blättern verschwinden will.
  • Ich formatiere meinen Vortragstext so, dass 1 Minute Redezeit auf eine Seite passt. Dann habe ich die Zeit stets im Blick.
  • Wenn ich aber auf diese Weise den Vortrag skripte, bin ich schneller, als wenn ich für einen frei gehaltenen Vortrag recherchiere. Weil ich ständig die Größe des Koffers vor mir sehe, krame ich nur die wesentlichen Dinge hervor und packe ihn schneller.

Der Koffer ist IMMER zu klein, doch die gute Nachricht liegt im Umkehrschluss: Es wird viel weniger Stoff verlangt als ich mir einbilde liefern zu müssen. Je ernster ich die Redezeit nehme, desto geringer und direkter ist meine Recherche, weil ich weiß: In fünf Minuten passt entweder ein grober Überblick oder ein Detail mit drei Aspekten. Das kann ich vorher entscheiden, den Rest spare ich mir.

In meinem Seminar lernen wir genauer, wie viel an Thesen, Argumenten und Informationen wir innerhalb einer bestimmten Redezeit unterbringen können. Das reduziert den Vorbereitungsaufwand beträchtlich.

PS: Mein neues Blog auf www.vortrags.coach widmet sich ganz dem Thema Vorträge/Reden/Präsentationen.