Immer besser texten

Was macht Vorträge spannend? (1)

Drehen wir die Frage gleich um: Was macht Vorträge abstoßend? Mir verpesten vor allem zwei Sorten von Rednern die Ohren: Die eine ist rhetorisch inkompetent und erklärt blutleer, was gerade auf der Powerpoint-Folie erscheint. Noch schlimmer finde ich die zweite Sorte: Die war bereits auf vielen Rhetorik-Seminaren, verbreitet ebenfalls nur abgestandenes Zeug, dies jedoch aggressiv und unecht – wie aus einem Roboter gestanzt.

Warum, frage ich, wird auf Rhetorikseminaren so viel an äußeren Stilmitteln wie Stimme, Gestik, Medieneinsatz gearbeitet – und so wenig an der Sprache?

Liegt es an dieser überall herumzitierten Studie, wonach sich nur 7 Prozent durch den Wortlaut kommunizieren und 93 Prozent über Stimme, Körperpräsenz und Lebenszustand? Ich bezweifle diese Studie zutiefst, vor allem den Umkehrschluss: „Du kannst jeden Mist erzählen, solange der Rest gut rüberkommt.“

Vielmehr erlebe ich: Wenn mir die redende Person eine gute Geschichte erzählt, meine heimlichen Fragen aufgreift und mich zu neuen Fragen führt, dann bleibe ich interessiert. Auch dann, wenn sie sich mal am Kopf kratzt oder verspricht.

Ich selber bin froh, dass ich auf dem Podium lange Hosen trage: Ab 20 Leuten Publikum schlottern mir die Knie. Trotzdem sprechen mich Menschen noch Monate später auf das an, was ich “auf diesem Vortrag so treffend gesagt” habe.

Also muss ich innerhalb der 7 Prozent etwas richtig gemacht haben, was die weniger optimalen 93 Prozent wieder wettmacht. Was das war? Ich strukturiere und skripte meine Vorträge. Je mehr Publikum, je wichtiger der Anlass, desto minutiöser gehe ich dabei vor. Ich achte stärker auf den Sitz meiner Sprache als auf den Sitz meines Anzugs.

Und vor allem: Gute Sprache macht mich sicherer und sorgt dafür, dass die übrigen
93 Prozent die nötige Wirkkraft entfalten. Gute Sprache wirkt von innen nach außen.

Das war mein Erfolgsgeheimnis. Nie dachte ich daran, es mit anderen zu teilen. Ich hielt es nicht für repräsentativ. Dann kam eine Anfrage: Ob ich mir vorstellen könnte, ein Seminar darüber zu geben, wie man spannende Vorträge vorbereitet. Davon in den mehr in den nächsten Posts.