Immer besser texten

Business-Writing muss Dichtung werden

Was bestimmt heute das Schreiben im Geschäftsleben? Zwei Entwicklungen: 1) Die Bildschirme werden durch das mobile Computing wieder kleiner. 2) Die Zeitnischen für das Lesen werden immer enger. Man muss also auf kleinerem Raum und in geringerer Zeit soviel wie möglich übermitteln.

Das hat Folgen:

  • Der Business-Leser akzeptiert nur noch kurze Texte. Was das Auge nicht sofort überblicken kann, wird auf später verschoben, „weil jetzt keine Zeit ist“ – also nie gelesen.
  • Der Business-Leser akzeptiert nur noch kurze Sätze. Am besten Eingliedrige, Zweigliedrige sind noch akzeptabel – doch bei dreigliedrigen Sätzen wird ihm schon schummrig.
  • Die Leser brauchen starke Reize zum Einsteigen und Dranbleiben. Die Textstruktur muss sein wie ein Buffet: Alles Wichtige und Interessante schnell erkennbar.

Als Schreiber ist man also gezwungen, sich kurz zu fassen. Nun gibt es zwei Arten von Kürze: Zum einen die eilig hingeschluderte Kurzform – sie produziert Hackfleisch und raubt dem Leser den Appetit. Für die andere Kurzform fragt sich der Schreiber ständig: Wie kann ich mit wenig Worten viel sagen? Kompliziertes einleuchtend darstellen? Reizvolles richtig platzieren? Verdauliche Pakete schnüren? Und nicht zuletzt: Wie gelingt mir ein attraktiver Stil?

Sind das nicht genau die Herausforderungen, denen sich ein Dichter stellt?

So bemerke ich mit Vergnügen: Business-Schreiber müssen heute, wollen sie mit ihren Botschaften ankommen, denken wie Dichter.