Immer besser texten

Sinn machen

Sprachstil-Päpste wie Wolf Schneider tadeln uns: „Man sagt und schreibt nicht: ‚Das macht Sinn.’ Denn da haben wir wieder treudoof den Anglizismus ‘That makes sense.’ übernommen. Im Deutschen aber muss es heißen: ‚Das ergibt Sinn.’“

Als braver Gläubiger habe ich stets rechtzeitig meine Zunge kontrolliert, wenn mein Bauch „Sinn machen“ sagen wollte.

Erst Hermann Scherer hat mich von diesem Zwang befreit und mein Bauchgefühl bestätigt. In seinem Buch Glückskinder macht er für alle offensichtlich: Sinn “ergibt” sich nicht einfach. Das ist viel zu passiv! Man kann sehr wohl Sinn machen: Aus vorhandenem Wissen neue inspirierende Gedanken schaffen, die wiederum unser Verhalten, unser Handeln, unsere Welt verändern. Sinn ist herstellbar: durch kraftvolles Vordenken, durch kreatives Spiel und vor allem durch aufrichtigen Dialog.

Was ist der Unterschied zwischen Wissen und Sinn? Wissen ist passives Potential, es hält mich in der Schlinge des Zweifels, im Hin und Her, im Pro und Contra. Sinn hingegen liefert die Energie, etwas zu tun. Sinn beseelt. Sinn machen macht also Sinn.