Immer besser texten

E-Mail-Management (2): Posteingang bearbeiten – eine Entziehungskur

Leute, die sich hundert Mal am Tag die Hände waschen, schickt man in die Therapie. Doch was ist mit Leuten, die hundertmal am Tag ihren Posteingang checken? Leute also wie du und ich? Längst ist aus unserer Neugier eine Neu-Sucht geworden. Ich bin meistens schneller im Posteingang, als mein Verstand die Erlaubnis dazu erteilt. Und von den Hunderten Seminarteilnehmern, die ich inzwischen gefragt habe, geht es den meisten genauso: Der Sprung ins Outlook-Programm ist zur Zwangshandlung geraten – wie das Händewaschen oder Nochmal-nach-dem-Herd-schauen.

Solange sich kein Psychologe ernsthaft damit befasst, was eine kurze Internet-Recherche ergeben hat – mögen meine Hausmittel helfen, sich der Magie des Posteingangs zu entziehen:

Ideale Abruf-Zeiten festlegen

Klar: Ein Service-Mitarbeiter muss öfter seine Mails checken als ein Texter oder Gemeindepfarrer. Global Vernetzte müssen ihre Reaktionszeiten an die verschiedenen Zeitzonen anpassen. Trotz alledem. Es wird ideale Uhrzeiten geben, in denen die Reaktionszeiten angemessen sind und sich das Volumen gleichmäßig verteilt. Je nach Natur Ihres Jobs sind es 2 bis maximal 10 Uhrzeiten am Tag. Wer sich, wie ich, nicht auf diese Uhrzeiten disziplinieren kann, dem möge Folgendes helfen:

Outlook und Co. schließen

Einfach Strg + Q, dann ist Ruh. Der Blick fällt dann nicht mehr „aus Versehen“ aufs Mailfenster oder auf die Statusleiste. Damit zwinge ich mich, den Posteingang  wieder BEWUSST zu öffnen.

Timer stellen

Auch das reicht manchmal nicht, weil wir schon auf extrem kurze Konzentrationsspannen konditioniert sind, dank E-Mail-Alert und anderen Unterbrechern.

Ich habe mir eine Timer-App besorgt – eine Arbeits-Eieruhr für den PC. Damit stelle ich mir die Zeit ein, die ich konzentriert arbeiten will. Erst wenn die um ist, darf ich wieder andere Dinge tun. Bei mir funktioniert das prima.

Genussvolle Pausen in der Kohlenstoffwelt einlegen

Oft steht hinter unserem zwanghaften Bedürfnis nach neuem digitalem Futter die Sehnsucht nach: Ablenkung, Bewegung, Plaudern, Spaß, Getränken, frischer Luft – und wir bemerken sie nicht einmal, weil wir uns an den PC haben fesseln lassen. Also: Einfach aufstehen und ein paar Minuten das Leben genießen! Raus Brüder und Schwestern, zur Sonne, zur Freiheit!

Dann lässt die digitale Neu-Sucht deutlich nach.

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